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Nach Öko-Ter­ror auf Ber­li­ner Strom­netz: Wie gut ist die Harz-Regi­on auf eine „Groß­scha­dens­la­ge“ vor­be­rei­tet?

Am ver­gan­gen Sams­tag­mor­gen um 6 Uhr ging im Süd­wes­ten von Ber­lin buch­stäb­lich das Licht aus: Seit­dem sind 45.000 Haus­hal­te und knapp 100.000 Men­schen ohne Strom. Hei­zun­gen lau­fen nicht mehr, Woh­nun­gen küh­len aus, das Mobil­funk­netz ist außer Betrieb, Men­schen frie­ren in ihren Woh­nun­gen.

Was war pas­siert? Öko-Ter­ro­ris­ten der links­extre­men „Vul­kan­grup­pe“ hat­ten auf das Heiz­kraft­werk in Ber­lin-Lich­ter­fel­de einen Brand­an­schlag ver­übt und Hoch­span­nungs­lei­tun­gen schwer beschä­digt. In der Fol­ge kam es zum größ­ten Strom­aus­fall in Ber­lins Nach­kriegs­ge­schich­te. Die Vul­kan­grup­pe hat­te ein Beken­ner­schrei­ben ver­fasst, in wel­chem sie die Ver­ant­wor­tung für den Anschlag über­nimmt. Behör­den­krei­se hal­ten das Schrei­ben für echt.

Die betrof­fe­nen Anwoh­ner aus den Stadt­be­zir­ken Ber­lin Ste­glitz-Zehlen­dorf, Wann­see und Niko­las­see kön­nen erst ab Don­ners­tag wie­der mit der Ver­sor­gung rech­nen. Vie­le von ihnen wer­fen der Stadt Ber­lin Ver­sa­gen im Kri­sen­ma­nage­ment vor. Dabei stellt sich die Fra­ge: Ist ein sol­ches Kri­sen­sze­na­rio auch in den Harz-Bun­des­län­dern vor­stell­bar und wie gut ist die Regi­on auf einen sol­chen Fall vor­be­rei­tet?

Ein län­ger andau­ern­der Strom­aus­fall – oft als Black­out bezeich­net – gilt in Deutsch­land zwar als ver­gleichs­wei­se unwahr­schein­li­ches Sze­na­rio, doch ist er nicht völ­lig aus­ge­schlos­sen. Gera­de extre­me Wet­ter­la­gen, tech­ni­sche Defek­te oder koor­di­nier­te Angrif­fe auf die Infra­struk­tur könn­ten zu regio­nal oder gar flä­chen­de­cken­den Ver­sor­gungs­aus­fäl­len füh­ren.

Die Häu­fig­keit und Ursa­chen von Strom­aus­fäl­len im Harz

Die Harz-Regi­on war in der Ver­gan­gen­heit bereits von groß­flä­chi­gen Strom­aus­fäl­len betrof­fen. So kam es im Janu­ar 2023 zu einem Aus­fall, bei dem zehn­tau­sen­de Haus­hal­te meh­re­re Stun­den ohne Strom blie­ben. Ursa­che war ein tech­ni­scher Defekt in einem Umspann­werk, ver­stärkt durch Eis­re­gen, der zur Beschä­di­gung von Lei­tun­gen führ­te und somit das Netz zum Kol­la­bie­ren brach­te.

Sol­che Ereig­nis­se zei­gen: Auch wenn lang­fris­ti­ge Strom­aus­fäl­le hier­zu­lan­de sel­ten sind, sind wet­ter­be­ding­te und tech­ni­sche Stö­run­gen mög­lich. Das Strom­netz in Deutsch­land gilt zwar als sta­bil, den­noch kön­nen regio­na­le Aus­fäl­le meh­re­re Stun­den dau­ern oder sich wie­der­ho­len.

Vor­be­rei­tung auf kom­mu­na­ler Ebe­ne — Maß­nah­men und Inves­ti­tio­nen

Die Kom­mu­nen im Land­kreis Harz beschäf­ti­gen sich aktiv mit dem The­ma Black­out. So wer­den Arbeits­grup­pen gebil­det und erheb­li­che finan­zi­el­le Mit­tel für die Gefah­ren­ab­wehr bereit­ge­stellt. Zum Bei­spiel hat der Stadt­rat von Qued­lin­burg etwa 60.000 Euro für den Kata­stro­phen­schutz und ent­spre­chen­de Vor­be­rei­tun­gen zur Ver­fü­gung gestellt.

 

Auch der Ret­tungs­dienst des Land­krei­ses hat sich spe­zi­ell auf Strom­aus­fäl­le ein­ge­stellt, um koor­di­nier­te Abläu­fe auch ohne Strom sicher­zu­stel­len – etwa durch Not­fall­plä­ne und spe­zi­el­le Aus­rüs­tung.

Auf Lan­des­ebe­ne – etwa in Sach­sen-Anhalt – wer­den Kata­stro­phen­schutz­übun­gen durch­ge­führt, in denen ein flä­chen­de­cken­der, lang­an­hal­ten­der Strom­aus­fall als Sze­na­rio geprobt wird. Inter­dis­zi­pli­nä­re Teams aus Poli­zei, Bun­des­wehr, THW und wei­te­ren Orga­ni­sa­tio­nen sol­len so ihre Zusam­men­ar­beit und Abläu­fe trai­nie­ren, wobei bereits Opti­mie­rungs­be­darf bei der Kri­sen­kom­mu­ni­ka­ti­on fest­ge­stellt wur­de.

Strom­ver­sor­gung für kri­ti­sche Infra­struk­tur und Not­fall­ver­sor­gung beson­ders wich­tig

Kri­ti­sche Ein­rich­tun­gen wie Kran­ken­häu­ser und Ret­tungs­diens­te sind beson­ders auf eine Strom­ver­sor­gung ange­wie­sen. In der Harz-Regi­on wird die Not­fall­vor­sor­ge in sol­chen Berei­chen als zen­tral ange­se­hen – etwa durch Not­strom­ge­ne­ra­to­ren und spe­zi­el­le Kom­mu­ni­ka­ti­ons­mit­tel –, den­noch bleibt die Her­aus­for­de­rung groß, da nicht flä­chen­de­ckend alle Ein­rich­tun­gen gleich gut aus­ge­rüs­tet sind. Bun­des­weit ist bekannt, dass z. B. mobi­le Netz­tei­le und alter­na­ti­ve Kom­mu­ni­ka­ti­ons­for­men in sol­chen Fäl­len essen­zi­ell sind.

Kom­mu­nen im Harz set­zen auf Warn-Apps wie BIWAPP und KAT­WARN, um die Bevöl­ke­rung schnell über Strom­aus­fäl­le oder ande­re Gefah­ren­la­gen zu infor­mie­ren. So wur­de bei einem Strom­aus­fall im Okto­ber 2025 über ent­spre­chen­de Apps gewarnt und spä­ter Ent­war­nung gege­ben, nach­dem die Lage sta­bi­li­siert war.

Regi­on kann Aus­wir­kun­gen eines Black­outs zumin­dest begren­zen

Die Harz-Regi­on ist auf einen län­ge­ren Strom­aus­fall heu­te bes­ser vor­be­rei­tet als noch vor eini­gen Jah­ren: Die loka­len Behör­den arbei­ten aktiv an Kon­zep­ten, kom­mu­na­le Gerä­te und Struk­tu­ren wer­den erwei­tert, und es gibt pra­xis­na­he Übun­gen in Zusam­men­ar­beit mit über­re­gio­na­len Part­nern.

Den­noch bleibt die Vor­be­rei­tung auf ein sol­ches Sze­na­rio ein kom­ple­xes Unter­fan­gen. Neben der tech­ni­schen und orga­ni­sa­to­ri­schen Aus­rüs­tung der kri­ti­schen Infra­struk­tur ist vor allem die Selbst­vor­sor­ge der Bevöl­ke­rung ent­schei­dend, um die Aus­wir­kun­gen eines Black­outs zu begren­zen.

Eine wirk­lich robus­te Vor­be­rei­tung muss daher sowohl die insti­tu­tio­nel­le Sei­te als auch die indi­vi­du­el­le Vor­sor­ge stär­ken. Denn im Ernst­fall gilt: Je bes­ser vor­be­rei­tet – auf kom­mu­na­ler, regio­na­ler und pri­va­ter Ebe­ne –, des­to schnel­ler und wir­kungs­vol­ler las­sen sich die Her­aus­for­de­run­gen eines län­ger andau­ern­den Strom­aus­falls meis­tern.

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